Am letzten Sonnabend war ich in der Berliner Universität der Künste - dank einer Freikarte der Freiheitsfreunde - auf einer Veranstaltung von und mit Hans-Olaf Henkel. Er hat bekanntlich ein Buch über den Euro geschrieben und sich vom Euro-Befürworter zum vehementen Euro-Gegner gewandelt.
Obwohl ich von seinem Vorschlag, den Euro in einen "Nord"- und einen "Süd-Euro" aufzuspalten, nicht besonders begeistert bin, hatte ich ihn gebeten, einen Artikel für unser neues politisches Magazin blink beizusteuern. Dieser Bitte ist er freundlicherweise nachgekommen, und ich konnte nach der Veranstaltung ein paar Worte mit ihm wechseln und ihm dafür herzlich danken. Er fand es offensichtlich sehr amüsant, im gleichen Heft wie der Gründer der Piratenpartei und Deng Xiaoping zu erscheinen.
Ein überzeugendes Plädoyer gegen den Euro
Vor allem wollte ich einmal sehen, wie sich der aus zahlreichen Talkshows bekannte ehemalige Vorsitzende des Bundesverbands der Industrie live vor großen Publikum schlägt. Und ich muss sagen: ich war beeindruckt. Ohne Manuskript, ohne Powerpoint-Präsentation, sogar ohne Pult zum Anlehnen, sprach Hans-Olaf Henkel frei, kompetent, mit Witz und intellektueller Schärfe. Das muss ihm erst einmal ein deutscher Politiker nachmachen!
Seine Argumente gegen die derzeitige Architektur des Euro sind allesamt stimmig, man kann sie in seinem blink-Artikel (ab Seite 6) nachlesen. Sein Vorschlag, dass die "Geberländer" Deutschland, Niederlande, Österreich und Finnland aus dem Euro aussteigen und ihn als abgewertete Weichwährung zurücklassen, ist durchaus sinnvoll. Dies wäre der effizienteste Weg, um das missglückte Experiment einer europäischen Währungsunion mit einem Schnitt zu beenden. Außerdem täten Schulden in einem stark abgewerteten Alt-Euro nicht mehr so weh. Griechenland und die anderen hoch verschuldeten Staaten des Südens hätten so die Chance auf einen echten Neuanfang.
Ganz richtig sagt Hans-Olaf Henkel, dass es keinen Sinn ergibt, so unterschiedliche Volkswirtschaften wie die deutsche oder die griechische durch eine zentrale Währung aneinander zu koppeln. Das Niveau der Zinsen müsste in Deutschland ein ganz anderes sein als in Griechenland, was aber durch die gleichgeschaltete Politik der europäischen Zentralbank unmöglich geworden ist. Aus einer Währung nach dem Motto One size fits all wird dann schnell, wie Henkel gern betont, ein One size fits none.
Die Nachteile des Henkelschen "Nordeuro"
Warum Deutschland und die anderen Nordländer jedoch erneut eine gemeinsame Zentralbank einrichten sollen, die Fiat Money herausgibt, wie Henkel vorschlägt, erschließt sich mir nicht. Eine Zentralbank für wenige Länder mag weniger schädlich sein als eine für viele Länder; doch am besten wäre es, auf staatliche Währungsmonopole und Zentralbanken ganz zu verzichten und eine marktwirtschaftliche Geldordnung einzuführen, wie es die Ökonomen der Wiener Schule und der "Euro-Rebell" der FDP, Frank Schäffler fordern.
Auf meine Nachfrage dazu meinte Herr Henkel nur, dass er so ein marktwirtschaftliches Geldsystem zwar im Prinzip befürworten würde, er es jedoch zur Zeit für nicht durchsetzbar halte. Auf eine weitere Frage aus dem Publikum nach der Einführung eines Goldstandards antwortete er, eine Golddeckung sei nicht notwendig, wenn die neue Zentralbank nur unabhängig sei und von kompetenten Bankern geleitet würde, so wie in der "guten, alten D-Mark-Zeit" die Bundesbank. Nein, Herr Henkel, bei aller grundsätzlichen Zustimmung, da bin ich anderer Meinung!
Sicher war die Geldpolitik der Bundesbank weniger inflationär als die der französischen oder italienischen Zentralbank. Doch dies ändert nichts an dem grundsätzlichen Problem des per staatlichem Dekret aus dem Nichts erschaffenen Scheingeldes. Ob eine Zentralbank D-Mark, Drachmen, Euros oder Nord-Euros aus heißer Luft erzeugt, spielt letztendlich keine große Rolle. Solange Geld durch Kredite entstehen kann, wird es früher oder später immer in Inflation und wirtschaftlichen Verzerrungen resultieren. Fiat Money verführt Politiker zum Schuldenmachen und Gelddrucken, es macht die Reicher reicher und die Armen ärmer, ist also zutiefst ungerecht und unsozial.
FDP oder neue Partei?
Da Hans-Olaf Henkel über einen guten Draht zu Frank Schäffler verfügt und dessen FDP-Mitgliederentscheid gegen den European Stability Mechanism unterstützt, gehe ich davon aus, dass die beiden sich über dieses Thema noch eingehender unterhalten werden. Vielleicht entwickelt Hans-Olaf Henkel sein Konzept des Nord-Euro zu einer durch Gold oder Sachwerte gedeckten Währung weiter, oder er verwirft es zugunsten eines freien Bankwesens. Dass er in der Lage ist, einen Fehler einzugestehen und daraus zu lernen, hat er ja mit seinem Wandel vom Euro-Fan zum Euro-Gegner eindrucksvoll bewiesen.
Im Mitgliederentscheid sieht Hans-Olaf Henkel übrigens durchaus die Chance, die FDP in eine vernünftige Richtung zu drehen und die unfähige Führungsmannschaft loszuwerden. Ich bin eher skeptisch, ob man es schafft, ein totes Pferd wie die FDP noch einmal zum Laufen zu bringen. Henkel empfahl den rund 500 Anwesenden jedoch sogar, noch schnell in die FDP einzutreten, an der Abstimmung teilzunehmen und - falls diese nicht zum gewünschten Erfolg führt - wieder auszutreten.
Im Fall eines Scheiterns des FDP-Mitgliederentscheids - wovon man wohl ausgehen kann - würde Hans-Olaf Henkel dann für eine neue Partei zur Verfügung stehen, was ich erfreulich finde. Auf seine Anmerkung, wie schwer es sei, in Deutschland mit seiner föderalen Ordnung und der Fünfprozenthürde eine neue Partei zu etablieren, kam aus dem Publikum die Anmerkung: die Piraten haben es doch auch geschafft!

