Dienstag, 26. April 2011

25 Jahre Tschernobyl

Heute vor 25 Jahren explodierte bei Tschernobyl ein Atomreaktor, verseuchte Teile der Ukraine und versetzte Europa in Angst und Schrecken vor der radioaktiven Wolke, die mit dem Wind nach Westen zog. Durch die Katastrophe von Fukushima bekommt dieses Jubiläum eine besondere Bedeutung. Beide Unfälle hätten sich nach den Prognosen der Atomkraft-Lobby nur alle paar Millionen Jahre ereignen können. Doch die Realität hat gezeigt, dass das "Restrisiko" sehr viel höher ist. Tschernobyl konnte man noch auf sowjetische Schlampigkeit schieben, doch wenn selbst die High-Tech-Nation Japan nicht in der Lage ist, die Atomkraft zu beherrschen, wer dann?


Keine marktwirtschaftlich denkende Versicherung der Welt ist bereit, Atomkraftwerke zu versichern. Nicht, weil die Manager überzeugte Grüne sind, sondern weil es sich für sie schlicht nicht rechnen würde - das versicherungsmathematische Risiko ist zu hoch. Hätten nicht Politiker entschieden, die Folgekosten für Endlagerung und Katastrophenfälle der Allgemeinheit aufzubürden, wäre wohl nie ein Atomkraftwerk gebaut worden. Kommerziell würde sich Atomkraft nicht lohnen.

Eine solche Fehlentscheidung, die dazu führt, dass Milliarden an Steuergeldern in eine längst überholte Technologie fließen, die auf dem freien Markt keine Chance hätte, ist auf staatlicher Ebene schnell getroffen und schwer zu korrigieren. Vor allem dann, wenn aus der Energiefrage eine ideologische wird. Es gehörte jahrzehntelang unter Konservativen und Liberalen zum guten Ton, für die Atomenergie zu sein - schließlich waren die Grünen und Linken dagegen, und mit denen wollte man nichts zu tun haben.

Die Energieversorgung ist jedoch nicht dafür geeignet, sie ideologisch anzugehen. Man muss sie kühl und sachlich betrachten. Wir sollten nicht den Fehler machen, erneut durch eine falsche staatliche Energiepolitik Ressourcen zu verschwenden. Politiker, die gestern noch Anhänger der Atomkraft waren, befürworten heute staatliche Milliardenprogramme, um erneuerbare Energien zu fördern. Wind, Wasser, Solarthermie und Photovoltaik haben sicher viele Vorteile. Sie würden uns von ausländischen Energielieferanten unabhängig machen und die Umwelt schonen.

Doch man sollte auch diese Technologien nicht als Wundermittel betrachten und ihre kritischen Seiten sehen. Sonne und Wind haben den Nachteil, nicht gleichmäßig zur Verfügung zu stehen. Man müsste daher sehr viel Geld in ein intelligentes Stromnetz und in Stromspeicher investieren.

Die Herstellungskosten insbesondere für Solarzellen müssten außerdem deutlich fallen, um wirtschaftlich zu sein. Die Subventionspolitik der Bundesregierung hält die Kosten allerdings künstlich hoch und lenkt Ressourcen in die falsche Richtung. Deutsche Steuer- und Stromkundengelder fließen heutzutage an chinesische Firmen, die mit billigem Atom- und Kohlestrom Solarzellen für Deutschland produzieren. Die Riesensummen, die jedes Jahr für diese absurde Subventionspoltik ausgegeben werden, könnte man an anderer Stelle sicher effizienter einsetzen.

Staatliche Gelder können sinnvoll sein, wenn es um Grundlagenforschung geht. Doch nur die "kollektive Intelligenz" des Marktes kann entscheiden, welche Technologien auf Dauer wirtschaftlich sind. Eine Verzerrung der Marktmechanismen durch Subventionen richtet in der Regel mehr Schaden als Nutzen an. Das sieht man an der jahrzehntelangen Subventionierung der Atomkraft und aktuell am Beispiel des staatlich geförderten, aber von den Konsumenten abgelehnten "Biokraftstoffes" E10. Es ist widersinnig, kostbare Ackerfläche nicht für die Ernährung von Menschen, sondern für die Benzinproduktion einzusetzen. Die "Weisheit der Vielen" hat sich daher eindeutig gegen E 10 entschieden. Ohne die Subventionspolitik der Bundesregierung wäre der ökologisch schädliche "Bio"-Kraftstoff längst wieder vom Markt verschwunden.

Eine hunderprozentige Energieversorgung durch erneuerbare Energien scheint unrealistisch. Wir sollten daher nicht engstirnig denken und alles auf eine Karte setzen, sondern alle Optionen kritisch prüfen. Langfristig ist die Kernfusion die vielversprechendste Technologie. Dieser Prozess, bei dem wie im Inneren der Sonne Wasserstoffatome zu Heliumatomen verschmolzen werden, würde die Energieversorgung der Erde langfristig sicherstellen, denn der Rohstoff Wasser ist im Überfluss vorhanden. Wir sind allerdings noch weit davon entfernt, die Kernfusion wirtschaftlich einzusetzen. Hier sind Steuergelder für die Grundlagenforschung daher zu befürworten.

Als Brückentechnologie, bis die Kernfusion verfügbar ist, sollte man nicht ausschließlich auf Solar- und Windkraft setzen, sondern jede verfügbare Technologie auf ihre Marktfähigkeit testen. Die Geothermie oder Erdwärme ist zum Beispiel eine erneuerbare Energiequelle, über die viel zu wenig geredet wird.

Aber auch um fossile Energieträger werden wir nicht herumkommen. Hier ist es inbesondere Erdgas, das in großen Mengen vorhanden ist. Neue, effizientere Techniken der Gasverflüssigung können es zu einem Ersatz für Erdöl machen, so dass wir nicht länger von Schurkenstaaten wie Iran, Saudi-Arabien oder Libyen abhängig sind - Russland erscheint da als das deutlich kleinere Übel.

Interessant finde ich auch die These, dass Erdöl nicht allein durch biologische Prozesse entsteht. Bisher wurde ja gelehrt, dass es sich dabei um Überreste von Pflanzen und Tieren handelt. Doch wieso findet man dann Erdöl in Tiefen, in denen es nie Leben gab? Russische Wissenschaftler forschen nach so genanntem abiotischen Öl, das in den Tiefen der Erden immer wieder neu ensteht. Wenn diese Theorie des unendlich verfügbaren Öls sich als richtig erweisen sollte, wären alle Prognosen über das bevorstehende Versiegen der Ölvorräte hinfällig.

Wenn man sich mit dem Thema Energie beschäftigt (was ich seit meinen Studium tue, als ich für das Ökoinstitut Freiburg ein Kommunikationsprojekt über Solarenergie erarbeitet habe), merkt man schnell: es gibt hier keine einfachen Ja-Nein-Lösungen. Ideologische Kämpfe der "bösen Atomkraft" gegen die "gute Sonnen- und Windenergie" (oder umgekehrt) halten uns nur unnötig auf. Die Energieversorgung ist viel zu wichtig, als dass man sie den Ideologen überlassen könnte.