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| US-Präsident Ronald Reagan, Held der Konservativen |
Bisher war ich es gewohnt, vorwiegend mit Menschen zu tun zu haben, die Grüne, SPD oder gar Die Linke wählen. Für viele ist das ja keine wirklich politische Entscheidung, eher eine Frage des Lebensgefühls - so wie die Wahl zwischen Adidas und Nike, Coke oder Pepsi. Wer links oder grün wählt, fühlt sich auf Seiten der "Guten". Konservative sind für ihn im besten Fall Spießer, wenn nicht gar "Ewiggestrige".
Doch sind die gut situierten Grünwähler von heute in ihren Bioladen-Latte-Machiato-Reservaten nicht auf ihre Weise mindestens genauso spießig? Fast alle coolen Clubs in Berlin-Prenzlauer Berg mussten dichtmachen, weil die in frisch sanierte Altbauten zugezogenen grünen Gutmenschen sie wegen Ruhestörung verklagten. Und mit Multi-Kulti ist spätestens zur Einschulung der Kinder Schluss. Dann meldet man sie auf der garantiert türken- und araberfreien katholischen Privatschule an, selbst als überzeugter Atheist. Den wahren Grund würde man natürlich nie so nennen...
Insbesondere beim Umgang mit der reaktionären Ideologie des Islam wird die ganze innere Widersprüchlichkeit der Linken offensichtlich. Natürlich ist man für die Gleichberechtigung der Frau und findet Schwulsein ganz normal - aber wenn muslimische Männer ihre Frauen schlagen (Sure 4, 34 erlaubt es ihnen ja ausdrücklich) und Schwule sich in Stadtteile mit hohem Muslimanteil aus Angst vor "Klatsche" nicht mehr hineinwagen, wird weggesehen und geschwiegen. Als Ausländerfeind oder gar Rassist will man schließlich auch nicht gelten, da sind die hehren "linken Ideale" schnell vergessen.
Doch die Konservativen sind genauso widersprüchlich. Schon der Begriff sagt eigentlich gar nichts aus: es soll etwas konserviert, also erhalten werden - aber was? In Saudi-Arabien wollen die Konservativen die Scharia und das Fahrverbot für Frauen erhalten, in liberalen Demokratien wie den USA und Großbritannien setzen sich Konservative für die freie Marktwirtschaft und für eine möglichst limitierte Rolle der Regierung ein. Ronald Reagan, nicht gerade ein Idol meiner Jugend, wird mit dem Satz zitiert: "Government is not the solution to the problem, government is the problem". Dem kann ich voll und ganz zustimmen!
In den Ohren deutscher Konservativer klingt so ein Satz hingegen wie aus einem Song von Ton, Steine, Scherben - nah dran an "Keine Macht für Niemand". Doch was will der deutsche Konservative eigentlich erhalten? Den Obrigkeitsstaat? Die deutsche Leitkultur? Das christliche Abendland? Das Schneeballsystem der umlagefinanzierten, staatlichen Zwangsrente, die von Konrad Adenauer gegen den heftigen Widerstand seiner Wirtschaftsexperten eingeführt wurde?
Der deutsche Konservative hat es nicht leicht, gerade in einer Zeit, in der sich die CDU zur Anti-Atom-, Pazifisten- und Gender-Mainstreaming-Partei gewandelt hat. Wer sich heute als "konservativ" oder gar als "nationalkonservativ" bezeichnet, will sich wohl kaum mit den deutschnationalen Konservativen der Vorkriegszeit identifizieren, die die Weimarer Republik ablehnten, sich nach dem Kaiserreich zurücksehnten und durch ihre Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz zu Steigbügelhaltern Hitlers wurden. Durch dieses hässliche Erbe hat das Konservative in Deutschland verständlicherweise ein schlechtes Image.
Verblüffend war für mich daher die Diskussion in einem politischen Forum mit jemandem, der sich als erzkonservativ und "deutlich rechts von der CDU" verstand - beides Positionen, die ich weit von mir weisen würde. Doch als er mir dann eine Liste mit den Punkten aufzählte, die ihm am meisten am Herzen lagen - z.B. eine strenge, vernünftige Integrationspolitik, eine Umgestaltung des Sozialstaates hin zu mehr Eigenverantwortung, den Ausstieg aus der zentralistischen, undemokratischen EU und die Einführung einer direkten Demokratie nach Schweizer Vorbild - konnte ich ihm in allen Punkten zustimmen.
Bin ich jetzt etwa konservativ geworden? Ist an dem alten Spruch "Wer mit 20 nicht links ist, hat kein Herz, und wer mit 40 nicht konservativ ist, keinen Verstand" doch etwas dran?
Am besten, man benutzt so schwammige, emotional belastete Begriffe wie "links", "rechts" oder "konservativ" gar nicht mehr, weil sie nur zu Missverständnissen führen, sondern sagt konkret, wofür man steht und an welchen Prinzipien man sich orientiert. Mit den wichtigsten Grundprinzipien der angelsächsischen Konservativen - free-market economy, limited government - kann ich mich problemlos identifizieren.
Ansonsten halte ich es lieber mit Ludwig von Mises, der sagte:
„Jede konservative Politik ist aber von vornherein dem Mißerfolge geweiht; ist es doch ihr Wesen, etwas zu halten, was nicht zu halten ist, sich gegen eine Entwicklung zu stemmen, die man nicht verhindern kann. Was sie bestenfalls erreichen kann, ist Zeitgewinn; aber es fragt sich, ob dies ein Erfolg ist, der den Einsatz lohnt. Jedes Reaktionäre ermangelt der geistigen Selbständigkeit.“

