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| Römische Goldmünze (Quelle: WikiCommons) |
Gold, über viele tausend Jahre das wichtigste Zahlungsmittel der Welt und noch bis 1971 Sicherheitsanker des Weltwährungssystems, scheint eine Renaissance zu erleben. Der Goldpreis hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht, so dass einige Leute schon von einer "Goldblase" sprechen, die eventuell bald platzt.
Doch "Blasen" kann es nur bei Dingen geben, die man willkürlich vervielfältigen kann, so wie Banknoten, Aktien oder Staatsanleihen. Die Goldmenge dieses Planeten ist hingegen begrenzt, eine "Inflation", auf deutsch eine "Aufblähung", ist rein technisch nicht möglich. Lediglich nach der Entdeckung neuer Goldminen in Südamerika kam es im 16. Jahrhunderts zu einem Anstieg der Preise in Gold, da einfach im Verhältnis zur Warenmenge mehr davon vorhanden war.
Normalerweise bleibt Gold in seiner Kaufkraft stabil. So bekam man vor hundert Jahren für eine Unze Gold einen guten Herrenanzug. Das ist heute immer noch der Fall. In Gold gerechnet hat sich der Preis nicht geändert, während man sich für den Dollarpreis des Anzugs vor hundert Jahren heute nicht einmal mehr eine Krawatte leisten könnte.
Eigentlich ist Geld ja nichts weiteres als eine Ware, die man gegen anderen Waren oder Dienstleistungen eintauschen kann, um den sonst umständlichen Tauschhandel zu vereinfachen. Edelmetalle wie Gold und Silber haben sehr früh in der Menschheitsgeschichte die Funktion einer Standard-Tauscheinheit übernommen, weil sie selten, leicht teilbar und unverwüstlich sind (im Gegensatz zu anderen "Währungen" wie Kamelen, Kaurimuscheln, Pfeilspitzen oder Ami-Zigaretten).
Die Machthaber der Länder haben jedoch ebenso früh entdeckt, dass sie durch ein Monopol auf Geld die Wirtschaft des Landes manipulieren und von einer künstlichen Geldentwertung profitieren können. Früher mussten sie dazu mühselig die Anteile von Gold und Silber in den offiziellen Münzen verringern. Heute geht das sehr viel leichter: die Regierung und die offiziell von ihnen unabhängigen Zentralbanken geben einfach neues, ungedecktes Geld per Dekret heraus. Im Volksmund: sie werfen die Gelddruckmaschine an (auch wenn heute Geld hauptsächlich aus Zahlen im Computer, weniger aus bedrucktem Papier besteht).
Papiergeld ist eigentlich eine praktische Sache. Lange Zeit war es nichts weiter als eine Quittung für Gold, das man in einer Bank deponiert hatte. Es ist im Alltag natürlich sehr viel praktischer, Papierquittungen auszutauschen, als mit Goldmünzen zu hantieren oder gar schwere Goldbarren von einem Tresor zum nächsten zu transportieren.
Die eigentliche Funktion von Banken als Aufbewahrungstätten von Geld ist eine sehr nützliche. Auch die Vermittlung von Krediten, also das Verleihen gerade nicht gebrauchten Kapitals gegen eine Gebühr (den Zins) an jemanden, der es produktiv einsetzen möchte, ist eine wichtige Triebfeder der Wirtschaft.
Pervertiert wurde dieses eigentlich sinnvolle System, als von den Regierenden Zentralbanken geschaffen wurden, die das Monopol darauf erhielten, Geld aus dem Nichts zu schöpfen. Geschäftsbanken können sich von der Zentralbank Geld leihen und es durch die Vergabe von Krediten noch einmal um ein Vielfaches vermehren. Echte Gegenwerte stehen seit 1971 nicht mehr hinter der künstlich aufgeblähten Geldmenge. Wir haben uns so an dieses System des ungedeckten Scheingeldes gewöhnt, dass uns seine Absurdität gar nicht mehr auffällt - doch es kann und wird auf Dauer nicht funktionieren.
Profitieren können von ihm langfristig nur der Staatsapparat und die mit ihm verbündeten Banken, doch für die normalen Bürger ist der Verlust ihrer Ersparnisse in diesem von Natur aus inflationären System vorprogrammiert. Gerade die Deutschen haben diese Erfahrung durch die Inflation der 20er Jahre und die "Währungsreform" genannten Staatsbankrotte von 1923 und 1948 im letzten Jahrhundert zweimal erleben müssen.
Nur durch heftiges Spekulieren an den Finanzmärkten kann man dem Wertverlust seines Vermögens vorbeugen. So verschwenden diejenigen, die über Vermögen verfügen, viel Energie mit eigentlich unproduktiven Finanzmanövern, statt sie zum Beispiel in die Kreation neuer, besserer Produkte und Dienstleistungen zu stecken. Diejenigen ohne Vermögen, die von ihren Löhnen, Gehältern oder Renten leben, sehen ohnehin in die Röhre.
Stehen wir also vor einem neuen Goldstandard, der im 19. Jahrhundert für eine lange Zeit des Wachstums und der Preisstabilität geführt hat? Angesichts der dramatisch steigenden Verschuldung vieler Staaten und der immer offensichtlicher werdenden Schwächen des aktuellen Finanzsystems scheint das unvermeidlich.
Aber eine sanfte Systemumstellung wird durch die komplexen Verflechtungen von Politik und Finanzwelt kaum möglich sein. Weder Politiker noch Banker haben ein Interesse daran, das für sie sehr lukrative System des ungedeckten Scheingeldes aufzugeben. Ausnahmen wie die Parlamentarier von Utah, die hinter dem Goldfranken stehenden Schweizer Nationalräte oder der FDP-Einzelkämpfer Frank Schäffler bestätigen in diesem Fall leider die Regel. Die Einführung einer nachhaltigen, auf nicht künstlich vermehrbaren Werten basierenden Geldordnung wird daher wahrscheinlich erst nach einem heftigen Systemcrash durchsetzbar sein.
Also recht bald.

