Dienstag, 23. Februar 2010

Elham Manea über den Humanistischen Islam

Durch Zufall wurde ich kürzlich auf ein Buch aufmerksam, das ich jedem, der sich für die Rolle des Islams in unserer Gesellschaft interessiert, nur wärmstens empfehlen kann: „Ich will nicht mehr schweigen – Der Islam, der Westen und die Menschenrechte“ von Elham Manea. Die Autorin ist Politologin, sie arbeitet an der Universität Zürich und als Journalistin für Swiss Radio International. Ihr Vater war ein Diplomat aus dem Jemen, ihre Mutter Ägypterin, sie selbst hat die schweizerische und die jemenitische Staatsbürgerschaft.

Elham Manea versteht sich als gläubige Muslima und setzt sich in ihrem Buch für eine Reform des Islam ein. Zunächst stellt sie anhand der Geschichte des Islam sehr gut dar, dass es nicht den „einen“ Islam gibt, sondern viele, sich zum Teil widersprechende Strömungen. Der heute von Fundamentalisten gepredigte Islam, der von starren Regeln geprägt ist und sich auch als politische Heilslehre versteht, ist keineswegs die einzig mögliche Deutung des Korans.

Fundamentalistische Ideologien wie die der 1928 gegründeten Muslimbruderschaft oder der Wahabiten galten in der arabischen Welt lange Zeit als reaktionär. Der sekuläre, eher sozialistische Pan-Arabismus, wie er z.B. von der Baath-Partei im Irak und Syrien oder Abd El Nasser in Ägypten vertreten wurde, verlor jedoch nach der verheerenden Niederlage der Araber im Sechstagekrieg gegen Israel stark an Anziehungskraft. Die Anhänger eines militanten Islamismus, die den Islam als Lösung aller Probleme proklamierten, setzten sich in vielen islamischen Ländern immer mehr durch. Liberale Reformer des Islam wurden hingegen verfolgt, hingerichtet (wie der Sudanese Mahmud Muhammed Taha) oder mussten ins Exil fliehen (wie der Ägypter Nasr Hamid Abu Zaid).

In Europa nehmen wir vor allem die sehr lauten Stimmen der militanten Islamisten wahr. Doch es gibt zahlreiche hier lebende Menschen aus dem islamischen Kulturkreis, die damit nichts zu tun haben wollen. Manea, die sowohl die islamische als auch die europäische und die US-amerikanische Kultur sehr gut kennt, schlägt in ihrem Buch einen „humanistischen Islam“ vor. Die Religion ist für Manea nur ein Faktor des Menschseins. Sie gehört in den privaten Bereich und sollte uns nicht in „feindliche Stämme“ trennen.

Die Gemeinsamkeiten, die wir als Menschen haben, sollten wichtiger sein als unsere unterschiedlichen spirituellen Haltungen, egal ob man sich als Muslim, Christ, Buddhist oder Atheist versteht. Dies klingt für westliche Menschen heute selbstverständlich. Religiöse Fundamentalisten, die sich im Besitz der einzigen, absoluten Wahrheit sehen, haben dazu jedoch eine andere Ansicht: für sie sind „Ungläubige“ Menschen zweiter Klasse, die es zu bekehren oder gegebenenfalls zu töten gilt, so wie es an zahlreichen Stellen des Korans gefordert wird.

Der einzige Weg aus dem Widerspruch zwischen den friedlichen, menschenfreundlichen Suren des Korans und seinen gewaltverherrlichenden Passagen ist es für Manea, den Koran nicht länger als Wort für Wort von Gott gegeben anzusehen, wie es orthodoxe Muslime tun, sondern ihn als Werk von Menschen zu betrachten, so wie Christen heute die Bibel verstehen.

Die zahlreichen Passagen, die zur Tötung von Ungläubigen (z.B. 9,5) aufrufen, könnte der moderne Muslim dann als alte Geschichten aus dem 7. Jahrhundert ansehen, die für unsere heutige Zeit keine Bedeutung mehr haben - so wie moderne Christen die zahlreichen blutrünstigen Stellen in der Bibel ignorieren. Auch Koransuren wie diejenige, die dem Mann die Erlaubnis zum Schlagen seiner Frau gibt (4,34), könnten dann als historisch überholt angesehen werden.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter, auch beim Beten in der Moschee, ist für Manea eine unabdingbare Voraussetzung für einen fortschrittlichen Islam. Sie ist daher dagegen, Mädchen aus muslimischen Familien vom Schwimmunterricht zu befreien oder Zeichen der Frauenunterdrückung wie Kopftuch und Schleier zu akzeptieren.

Ich wünsche mir sehr, dass Stimmen wie die von Elham Manea in der Diskussion um die Rolle des Islam in unserer Gesellschaft mehr Gehör finden. Wir sollten den Militanten auf beiden Seiten, die die jeweils andere Seite hassen, keinen Raum geben. Elham Maneas Vision eines humanistischen Islam ist eine sehr gute Lösung für eines der drängendsten Problem unserer Zeit: die Integration der Einwanderer aus dem islamischen Kulturkreis in die humanistische, aufgeklärte Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Sonntag, 21. Februar 2010

Die TAZ fragt: "Atomstreit mit dem Iran - agiert der Westen zu lasch?"

Die TAZ hat mich für ihre Ausgabe vom 20. Februar nach meiner Meinung zum Thema "Atomstreit mit dem Iran - agiert der Westen zu lasch?" gefragt. Weitere Teilnehmer am Sonntaz-Streit waren unter anderem Dan Schüftan, Leiter des Instituts für nationale Sicherheitsfragen der Universität Haifa, die iranische Autorin Saba Farzan sowie Kerstin Müller, außenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen. Hier mein Statement:

Freitag, 19. Februar 2010

Für eine weltweite Ächtung der Atomkraft

Die iranische Regierung versteckt ihr atomares Aufrüstungsprogramm hinter der Schutzbehauptung, der Atomwaffensperrvertrag von 1968 würde ihr dies erlauben. Rein legal ist das korrekt: für den Verzicht auf Atomwaffen ist allen Unterzeichnerstaaten von den Atommächten zugestanden worden, die Atomenergie zu friedlichen Zwecken zu verwenden.

Donnerstag, 18. Februar 2010

AG Musikwirtschaft im FREITAG

In der aktuellen Ausgabe des FREITAG (der soeben in New York mit dem Preis World's Best Designed Newspaper ausgezeichnet wurde) findet sich ein Artikel, in dem ich das Konzept der AG Musikwirtschaft der Piratenpartei für ein gesetzliches Musikverbreitungsrecht vorstelle, über das ich auch in diesem Blog schon geschrieben habe

Dort gibt es einen weiteren Artikel zum selben Thema. Hintergrund: Edgar Bronfman, der CEO von Warner Music, hat gerade die Zusammenarbeit mit dem Streaming-Dienst Spotify eingestellt, und damit der Musikindustrie einen Bärendienst erwiesen. So etwas wäre mit dem von uns vorgeschlagenen Modell nicht mehr möglich.

Sonntag, 14. Februar 2010

HAPPY NEW YEAR!



Ich wünsche allen Leser meines Blogs ein glückliches und erfolgreiches

JAHR DES TIGERS!

Mittwoch, 10. Februar 2010

Zum Jahrestag der iranischen Diktatur

Am 11. Februar wird im Iran der Sturz der Schah-Monarchie gefeiert. Eigentlich ein erfreuliches Ereignis - wenn der Iran nicht danach ein noch viel scheußlicheres Regime bekommen hätte. Es ist zu erwarten, dass an diesem Jahrestag die iranische Opposition wieder auf die Straße geht und die Machthaber mit der bekannten Brutalität (siehe Video) zurückschlagen.

Der peinliche Auftritt des iranischen Außenministers Mottaki auf der Münchner Sicherheitskonferenz und der in dieser Woche begonnene Einstieg in die Urananreicherung zeigt: die iranischen Machthaber lachen nur über die "Appeasement"-Politiker des Westens und arbeitet weiter in aller Seelenruhe an ihrer Atombombe. Dem Spiegel liegen neue Dokumente vor, die dies beweisen. Auch die Internationale Atombehörde kommt zu diesem Schluss.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Ein klares 'Nein' zum Steuerdatenklau

Ich konnte es kaum glauben, was ich da beim Rückflug aus Israel in der Zeitung lesen musste: unsere Bundeskanzlerin und unser Finanzminister haben sich dafür ausgesprochen, einem Datenräuber 2,5 Millionen Euro für eine CD zu zahlen, auf denen sich die Daten so genannter "Steuersünder" befinden. Gewählte Amtsträger der Bundesrepublik machen sich der Anstiftung zu Straftaten schuldig!