Mittwoch, 8. Dezember 2010

Tamar Jacoby über erfolgreiche Integration

Am Montag dieser Woche hat der Tagesspiegel zu einer Veranstaltung mit der US-amerikanischen Autorin und Menschenrechtsaktivistin Tamar Jacoby eingeladen. Sie ist Vorsitzende von Immigration Works USA und zur Zeit als Fellow der American Academy zu Gast in Berlin.

Unter dem Titel "How Immigration Works" berichtete sie über die mehr als zweihundertjährigen Erfahrungen der USA mit dem Thema Einwanderung. Bescheiden wies sie immer wieder darauf hin, dass sich Deutschland stark von den USA unterscheide und sie sich nicht anmaßen würde, irgendwelche Patentrezepte für das deutsche Einwanderungsproblem aus den USA mitzubringen.

Natürlich sind die riesigen Vereinigten Staaten von Amerika, die sich von Anfang als Einwanderungsland begriffen haben, nicht mit dem dicht bevölkerten Deutschland vergleichbar, das sich mit dem Gedanken, ein Einwanderungland zu sein, erst langsam vertraut machen muss. Doch ich denke, wir sollten uns die Situation in den USA sehr genau ansehen, denn einige der Prinzipen der USA zum Thema Immigration lassen sich sehr wohl auf unsere Situation übertragen.

Den Begriff "Melting Pot" wies Tamar Jacoby in ihrem Vortrag als Mythos zurück. Es sei keineswegs typisch für die amerikanische Geschichte, dass Einwanderer ihre kulturelle Idenität komplett abgaben, ihren Namen anglisierten und in einem großen Topf zum Amerikaner "verschmolzen". Vielmehr sieht sie die Stärke des amerikanischen System darin, den Bürgern im privaten Bereich ihre kulturelle Identität zu lassen. Sie können im Privatleben ihre Sprache sprechen, ihre traditionellen Gerichte kochen und ihre religiösen Bräuche kultivieren.

Im öffentlichen Bereich jedoch fordert die amerikanische Gesellschaft von den Einwanderern ein klares Bekenntnis zu den politischen Werten ihrer Verfassung: Demokratie, Meinungsfreiheit, klare Trennung von Kirche und Staat, größere Bedeutung der Rechte des Einzelnen als der von Kollektiven. Bei aller Akzeptanz von Verschiedenheit im privaten Raum, sind diese Werte für alle Amerikaner verbindlich - und nicht verhandelbar.

"Der Trick Amerikas ist der, dass seine Kerntraditionen sehr einfach, sehr schlicht sind", sagte Tamar Jacoby in einem Interview der Welt. "Nicht jeder muss Cowboys oder Hamburger mögen. Aber unsere politischen Werte wie Toleranz und Demokratie, Freiheit und unsere Sprache müssen respektiert werden. Das macht die Loyalität zum Land aus."

Durch den lockeren Umgang mit den Traditionen der Einwanderer und die Attraktivität der amerikanischen Kultur geschieht die Assimilation quasi von selbst. Einwanderer der zweiten Generation beherrschen das Englische laut Tamar Jacoby zu 99% perfekt. Viele, die eigentlich nur zum Geldverdienen gekommen waren, um dann wieder in ihr Ursprungsland zurückzukehren, bleiben für immer. Auf die Frage, was sie an den USA besonders gut finden, antworten Einwanderer häufig: "You don't have to bribe the cops".

Ein weiterer, sehr wichtiger Faktor für den Erfolg der Immigration in den USA ist laut Tamar Jacoby der kaum existente Wohlfahrtsstaat. Wer in den USA überleben will, muss arbeiten - das ist extem integrationsfördernd. Eine von Transferleistungen dahinvegetierende Parallelgesellschaft wie in Deutschland kann es in den USA nicht geben. Durch den wenig reglementierten Arbeitsmarkt kann wiederum jeder Immigrant Arbeit finden - vom indischen Software-Ingenieur bis zum mexikanischen Bauhelfer. Auch in den USA werden nur wenige Tellerwäscher zum Millionär. Doch wer als Tellerwäscher anfängt, lernt Englisch, erwirbt mehr und mehr Fähigkeiten, und betreibt vielleicht ein paar Jahre später schon seinen eigenen Hamburger-Grill.

Was bedeutet das nun für Deutschland? Ein Großteil der Integrationsprobleme würde sich von selbst lösen, wenn wir unseren Sozialstaat ähnlich ausrichten wie die USA: keinerlei Transferleistungen für Einwanderer, selbst Staatsbürger erhalten Sozialhilfe nur in ausgesprochenen Notfällen und dies nur für eine begrenzte Zeit.

Außerdem müsste jeder staatliche Eingriff in die Vertragsfreiheit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wegfallen: von der "behördlichen Arbeitsgenehmigung" über den "gesetzlichen Kündigungsschutz" bis hin zum "Flächentarifvertrag". Ein Abbau staatlicher Blockaden würde einen riesigen Boom am Arbeitsmarkt auslösen, so dass sowohl hochqualifizierte als auch weniger qualifizierte Kräfte einen Job finden könnten. Dies ist der sicherste Weg zu Integration und Assimilation.

Ein weiterer Faktor ist die Attraktivität der eigenen Kultur. Dabei geht es weniger um Goethe und Schiller, Bach und Beethoven, sonder eher um die für uns selbstverständlichen Dinge, die das Leben in Deutschland so angenehm und  lebenswert machen.

Man kann zum Beispiel stolz sein auf die relativ große Meinungs- und Pressefreiheit in diesem Land, auf die weit entwickelte Gleichberechtigung von Mann und Frau, auf die allgemeine Akzeptanz andersartiger Lebensweisen (z.B. von Schwulen und Lesben), auf das Bildungsniveau und die Weltoffenheit vieler Deutschen, aber auch auf unsere Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit, unseren Willen zur Perfektion und unseren hohen ethischen Anspruch an uns selbst.

"Treu und Redlichkeit" werden von Einwanderern oft mehr geschätzt als von uns, weil wir sie in typischer Betriebsblindheit gar nicht wahrnehmen. Auch unsere Polizisten muss man nicht bestechen, was im weltweiten Vergleich eher die Ausnahme ist.

Wir sollten uns klarmachen, welche Werte uns in Deutschland wirklich wichtig sind - jenseits von profanen Dingen wie Eisbein mit Sauerkraut, Currywurst oder eisenharten Innenverteidigern. Diese Werte sollten dann für alle Einwanderer verbindlich sein - das können wir von den Amerikanern lernen!

Der größte Unterschied zu den USA ist sicher, dass in Deutschland ein Großteil der Einwanderer aus den ungebildeten Schichten des islamischen Kulturkreises stammt. Muslime in den USA sind in der Regel eher höher gebildet und säkular orientiert, Fundamentalisten findet man dort selten.

Um der nachweislich integrationshemmenden Wirkung des fundamentalistischen Islams entgegenzuwirken, müssen wir islamistische Hassprediger und Anstifter von Zwangsheiraten und "Ehrenmorden" verhaften und ausweisen. Fundamentalistische Moscheen, in denen der Koran in seiner gewaltverherrlichenden, intoleranten Form gelehrt wird, sollten - im Unterschied zu denen liberaler Reformgemeinden - geschlossen werden. Jede Art von Aufstachelung zur Gewalt, jede Hetze gegen Ungläubige, Frauen und Schwule gehört streng bestraft und im Keim erstickt.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist das Anheben des Zuzugsalters für Ehepartner auf ein Alter, in dem "Importbräute" ihren "Marktwert" verloren haben - ein Phänomen, dass nur im islamischen Kulturkreis eine Rolle spielt. Dies würde das Problem einer immer wieder nachwachsenden ersten Einwanderergeneration nachhaltig lösen.

Mit solchen Maßnahmen gegen den radikalen Islam, einem Umbau des Sozialstaates nach amerikanischem Vorbild sowie einer Besinnung auf die wirklich attraktiven Aspekte unserer Kultur kann Integration auch in Deutschland gelingen. Wir müssen es nur anpacken!