Montag, 30. August 2010

Die Nazi-Keule bitte stecken lassen!

Die Diskussion um Thilo Sarrazins neues Buch, das heute erscheint, hat mittlerweile absurde Züge angenommen. Statt sich auf die eigentlich anstehende Diskussion über eine verbesserte Einwanderungs- und Integrationspolitik zu konzentrieren, wird Sarrazin von Politikern und Journalisten als "Rassist" bezeichnet und in die Nähe von rechtsradikalen Organisationen gerückt.

Dies ist eine primitive und durchschaubare Weise, jemanden zu diffamieren, die nicht zu akzeptieren ist. Es war sicher unklug von Sarrazin, dieses Fass mit seinen Äußerungen zur Vererblichkeit von Intelligenz und zum gemeinsamen Genpool von Völkern überhaupt aufzumachen. Oder wollte er gar bewusst Tabus brechen und extreme Reaktionen provozieren?

Die Verkaufszahlen seines Buches mögen dadurch steigen, doch für eine fruchtbare Diskussion ist dies wenig hilfreich. Bei der Integration von Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis in unsere Gesellschaft geht es um Werte und um Menschenrechte, nicht um Gene und Vererbung. Wer dies miteinander vermischt, lenkt nur vom Thema ab.

Sarrazin Rassismus vorzuwerfen, ist jedoch absurd. Im Gegenteil betont er, dass zum Beispiel Vietnamesen in Ostdeutschland, die sicher nicht weniger unter Alltagsrassismus zu leiden haben als Türken, sich deutlich besser integrieren als diese. Im Interview mit der "Berliner Morgenpost" verweist er darauf, dass sich beispielsweise in Großbritannien Inder ebenfalls besser in die Gesellschaft integrieren als Pakistaner. Hier ist es ja ganz offensichtlich nicht der "Genpool", der den Unterschied macht, sondern die kulturell-religiöse Prägung.

Politiker und Journalisten sollten veranwortungsbewusst handeln, und Vorwürfe des Rassismus oder gar Nazi-Parallelen für diejenigen reservieren, die sie wirklich verdienen. Wer stets die Nazikeule schwingt, wenn ihm eine andere Meinung nicht passt, macht sich unglaubwürdig. Was noch schwerer wiegt: die inflationäre Verwendung von Nazivergleichen verharmlost die Untaten der Nationalsozialisten und verhöhnt ihre Opfer.

Es ist schlimm, dass Anti-Semitismus in Deutschland wieder um sich greift - doch sind es, wie Lehrer an Schulen in Problembezirken bestätigen können, hauptsächlich Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis, die "Jude" wieder als Schimpfwort verwenden.

Wir sollten uns unter zivilisierten Menschen darauf einigen, diese unsägliche "Rassismus"-Debatte um Islamkritiker wie Sarrazin zu beenden. Stattdessen sollten wir uns dringend darum kümmern, die Integration von Migranten in die westlichen Gesellschaften besser zu gestalten.

Sarrazins scheint zwar in seinem Buch (von dem ich bisher nur die veröffentlichten Auszüge kenne) die Probleme recht gut zu beschreiben, seine Lösungsvorschläge überzeugen mich jedoch nicht. Eine "Arbeitspflicht" für Hartz-4-Empfänger und eine "Kindergartenpflicht" sind typisch sozialdemokratische, etatistische Vorschläge, die noch nie funktioniert haben und in eine freie Gesellschaft nicht passen.

Wer Sarrazin jetzt zujubelt und in ihm einen "deutschen Geert Wilders" sieht, wird enttäuscht werden. Sarrazin hat angekündigt, sein SPD-Parteibuch "mit ins Grab zu nehmen". Er wird bis dahin an seinem Buch sicher gut verdienen - aber die Probleme wird er nicht lösen.