Die Partei für die Freiheit (PVV) des Islamkritikers Geert Wilders ist die deutlichste Siegerin der Wahlen in den Niederlanden: sie hat die Zahl ihrer Parlamentssitze von 9 auf 24 erhöht und wird voraussichtlich mit den Liberalen, den Christdemokraten und einer konservativen Kleinpartei eine Regierungskoalition bilden.
Teile der deutschen Medien werden deshalb wieder über "Rechte" und "Islamophobiker" schimpfen und den Untergang des Abendlandes prophezeien. Wilders ist dafür bekannt, seine Kritik am islamischen Fundamentalismus in krasse Worte zu packen. Angeblich verlange er ein Verbot des Korans und eine Steuer auf Kopftücher - Forderungen, die mit einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung schwer zu vereinbaren wären. Ein persönlicher Bekannter Wilders sagte mir allerdings, dass er diese Forderungen so nie gestellt habe. Die angebliche "Kopftuchsteuer" war etwa Teil einer durch und durch satirischen Rede im niederländischen Parlament, in der er die Integrationspolitik der Regierung über den grünen Klee lobte.
Auch wenn ich den derben Ton Geert Wilders nicht besonders mag und viele seiner angeblichen Forderungen für unsinnig halte, bin ich der Meinung, dass man die Sorge der Menschen über den politischen Islamismus, die sich im Wahlerfolg der PVV ausdrückt, sehr ernst nehmen und nicht pauschal als "ausländerfeindlich" oder "rechts" abtun sollte.
Eine Vorverurteilung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens ist natürlich abzulehnen und mit den Werten unserer Gesellschaft nicht vereinbar. Politische Forderungen zum Beispiel nach einer Dominanz von Männern über Frauen, nach Bestrafung von Homosexuellen oder nach einer Gerichtsbarkeit, die auf "göttlichem" Recht beruht, sind es jedoch genau so wenig.
Wer diese politischen Sichtweisen kritisiert, ist meiner Ansicht nach weder "rechts" noch "Phobiker". Tatsächlich sind die Emanzipation von Frauen und Schwulen und der Rückzug der Religion ins Private wichtige Errungenschaften der 68er Bewegung. Sehr seltsam, dass es oft Linke sind, die pauschal über Islamkritiker herziehen, damit jedoch gleichzeitig die Feinde ihrer eigenen Werte in Schutz nehmen.
Wichtig bei der Kritik am politischen Islamismus ist die differenzierte Sichtweise: längst nicht alle Einwanderer, die aus dem islamischen Kulturkreis stammen, sind praktizierende Muslime, und längst nicht alle Muslime sehen die zahlreichen gewaltverherrlichenden, frauenverachtenden Passagen des Korans (an deren Existenz ja niemand zweifelt) für sich als verbindlich an.
Es gibt sehr wohl auch liberale Muslime, die den Koran als von Menschen in einem historischen Kontext geschriebenes Werk sehen (so wie moderne Christen die Bibel) und daher nicht jede Sure als von Gott gegebenes, unveränderliches Gebot verstehen.
Organisationen wie das Forum für einen fortschrittlichen Islam, in dem sich die Journalistin Elham Manea engagiert, können wichtige Ansprechpartner für die Integration der in Europa lebenden Muslime sein.
Die Situation in Deutschland ist zum Glück weniger aufgeheizt als in den Niederlanden. Hier ist noch niemand von islamistischen Fanatikern umgebracht worden wie der Filmemacher Theo van Gogh. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem islamischen Fundamentalismus, die von fast allen Politikern vermieden wird, steht in Deutschland jedoch dringend an. Es geht nämlich nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Religionen, sondern um die Werte, auf denen unsere Gesellschaft beruht. Statt fundamentalistische Organisationen mit Einladungen zu staatlichen "Islamkonferenzen" aufzuwerten, sollten wir uns klar zu Freiheit, Demokratie und Gleichberechtigung bekennen und dies selbstverständlich auch von unseren Einwanderern erwarten.
Dabei ist es nicht hilfreich, unsere eigene freiheitliche Kultur durch pauschale Verbote von Kleidungsstücken, Bauwerken oder Büchern zu konterkarieren. Einwanderer aus dem islamischen Kulturkreis, die die freiheitlichen Werte so schätzen wie wir, sollten wir mit offenen Armen aufnehmen. Islamisten, die unser freies Gesellschaftssystem zerstören wollen, müssen jedoch von allen demokratischen Kräften gemeinsam gestoppt werden - da sollten sich Linke, Konservative und Libertäre einig sein.

