Laut einer Emnid-Umfrage können sich 80% der Ostdeutschen und 72% der Westdeutschen vorstellen, in einem sozialistischen Staat zu leben - wenn denn "für Arbeitsplätze, Sicherheit und Solidarität gesorgt sei."
Ein Freund schrieb mir daraufhin eine besorgte E-Mail, in der er seine Sorge um den Geisteszustand der Deutschen ausdrückt: "40 Jahre sozialistische Gehirnwäsche – in Ost und West – haben aus den Deutschen ein Volk von Weicheiern und Jammerlappen gemacht, total staatsgläubig, absolut sozialstaatsabhängig und mithin lebensunfähig."
Nein, ich glaube nicht, dass die Deutschen so dumm sind. Die 1001 Teilnehmer an der Emnid-Umfrage haben sich im Gegenteil als brillante Logiker geoutet. Bekanntlich ist nach einer absurden Annahme jede logische Schlussfolgerung möglich. Wird man gefragt: "Wenn es vom Himmel koreanisch sprechende Kobolde regnen würde, würdest du dann DIE LINKE wählen?" so kann man guten Gewissens mit "Ja" antworten, oder auch mit "Nein". Bei einer unmöglichen Ausgangsbedingung ist jede Antwort erlaubt.
Der Sozialismus hat bisher immer nur Misswirtschaft, Neid und totalitäre Überwachungsysteme hervorgebracht, das liegt in seiner Natur. Die Befragten haben offensichtlich erkannt, dass die Voraussetzung "wenn für Arbeitsplätze, Sicherheit und Solidarität gesorgt ist" eine absurde Annahme ist, da ein sozialistisches Regime dies unmöglich liefern kann. Vermutlich haben sie sich daher mit dem Interviewer einen Spaß erlaubt und auf seine Scherzfrage eine ebenso absurde Antwort gegeben. Das Volk der Dichter, Denker und Logiker sollte man nicht unterschätzen!

