Iran hat also in der Tat das Recht, Atomkraftwerke zu betreiben und Uran zu Forschungszwecken anzureichern. Man fragt sich natürlich, warum ein Land, das so reich an Solarenergie und Öl ist, eine veraltete, gefährliche Technik wie die Atomkraft überhaupt benötigt. Und hier liegt das Problem: bereits Indien, Pakistan und Nordkorea haben im Geheimen Atombomben gebaut und sich dazu der „friedlichen“ Nukleartechnologie bedient. Auch Israel sagt man nach, Atomwaffen zu besitzen.
Es war ein großer Fehler der Atommächte, die weitere Verbreitung der Atombombe zuzulassen. Die Idee des Atomwaffensperrvertrages war ja gerade, den Besitz atomarer Waffen zu beschränken. Er ist in der Zeit des kalten Krieges entstanden, als die Welt noch übersichtlich war. Die Großmächte USA und UdSSR haben sich seinerzeit gegenseitig belauert. Die Gefahr eines Atomkrieges war dadurch relativ gering, da für jede Seite das Risiko zu hoch war. An beiden „roten Knöpfen“ saßen zudem einigermaßen rational handelnde Menschen.
Aus gutem Grund wollten beide Großmächte damals vermeiden, dass Atombomben in die Hände weiterer, weniger rational handelnder Staaten fallen, da sich das Risiko eines Atomkrieges mit jeder weiteren Atommacht potenziert. Doch genau dies ist bereits geschehen. Die Gefahr, dass pakistanische Atomwaffen in die Hände von Fanatikern fallen, die weder das eigene Leben noch das Leben anderer wertschätzen, ist real. Wer sicher sein kann, ins Paradies zu kommen, wenn er für die „gute Sache“ stirbt, hat keine Angst vor dem Tod und keine Skrupel, dabei viele Menschen mitzunehmen. Die absurde Idee des "Märtyrertods" war 1968 noch nicht sehr verbreitet. Heute ist sie allgegenwärtig.
Es mag ungerecht erscheinen, dass die USA, Russland, China, England und Frankreich Atomwaffen besitzen dürfen und die anderen Staaten nicht, so wie es der Atomwaffensperrvertrag festlegt. Doch die Lösung kann nicht sein, alle Staaten atomar zu bewaffnen, sondern im Gegenteil, dass auch die bisherigen Atommächte ihr Atombombenarsenal abbauen. Dies sieht der Vertrag zwar eigentlich vor, die Atommächte haben diese Selbstverpflichtung jedoch bisher nicht sehr ernst genommen.
Der Atomwaffensperrvertrag sollte an die Realität des 21. Jahrhunderts angepasst werden. Diese Möglichkeit besteht im Mai 2010, wenn er in einer Konferenz der Unterzeichnerstaaten überprüft wird. Es ist offensichtlich geworden, dass Atomkraft eine unsichere, unwirtschaftliche und zudem völlig überflüssige Energieform ist, deren einziger wirklicher Nutzen darin besteht, heimlich an Atombomben zu kommen. Die Zukunft liegt in erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind, Wasserkraft und Biomasse. Alle Investitionen in Atomkraft sollten sinnvollerweise in erneuerbare Energien umgeleitet werden.
Wenn Präsident Obama seine Vision einer atomwaffenfreien Welt wirklich ernst meint, sollte er mit gutem Beispiel vorangehen, seinen Plan, in den USA wieder Atomkraftwerke zu bauen, aufgeben, und mit der einseitigen Abrüstung beginnen. Dann kann man auch Indien, Pakistan, Nordkorea, Israel und dem Iran gegenüber glaubwürdiger auftreten und von diesen Staaten den Verzicht auf Atomwaffen und Atomkraftwerke fordern.
Das Ziel sollte ein neuer Atomwaffensperrvertrag sein, der nicht nur die militärische, sondern auch die zivile Nutzung der Atomkraft weltweit verbietet.

