„Nur im linken Spektrum“, schreibt Kurbjuweit, „gibt es zudem die Figur des passionierten Träumers, der sich eine gute und gerechte Welt ausmalt und den Weg dorthin genau kennt. Dieser Träumer ist verzweifelt, weil er in seiner Partei auf so viele Realisten trifft. Die wiederum sind verstört, weil sie meist als Träumer begonnen haben. In diesem Kampf, Träumer gegen Realisten, glimmt und glüht der Hass.“
Während Streit die Demokratie belebt, verschreckt Hass die Wähler, stellt Kurbjuweit nüchtern fest. Der Hass im linken Lager treibt die Wähler zu den Konservativen und Liberalen, die sich zwar auch streiten, aber mit mehr Selbstdisziplin.
Bin ich froh, dass das bei den Piraten anders ist! Obwohl die Piratenpartei wohl kaum dem konservativen Lager zuzurechnen sind, ist der linke Selbsthass dem Piraten fremd. Unsere Wurzeln liegen in der Nerd- und Hackerszene, die ihrer Natur nach pragmatisch und lösungsorientiert ist. Bei der in dieser Szene schon sehr lange üblichen Kommunikation per E-Mail und Chat, in der weder Stimmklang noch Gesichtsausdruck bei der Interpretation des Verbalen helfen, sind Missverständnisse vorprogrammiert.
Erfahrene Internet-User haben daher gelernt, dass Online-Kommunikation nur funktioniert, wenn sich alle an die Netiquette halten. Dazu gehört bei allem Streit in der Sache ein respektvoller Umgang miteinander und der bewusste Verzicht auf persönliche Angriffe und grobe Sprache. Diese Einstellung haben die Piraten verinnerlicht, sie pflegen Respekt und Selbstdisziplin in der elektronischen wie in der persönlichen Kommunikation.
Erfahrene Internet-User haben daher gelernt, dass Online-Kommunikation nur funktioniert, wenn sich alle an die Netiquette halten. Dazu gehört bei allem Streit in der Sache ein respektvoller Umgang miteinander und der bewusste Verzicht auf persönliche Angriffe und grobe Sprache. Diese Einstellung haben die Piraten verinnerlicht, sie pflegen Respekt und Selbstdisziplin in der elektronischen wie in der persönlichen Kommunikation.
Einige Journalisten, besonders aus dem linken Spektrum, haben sich bei mir über rüde verbale Angriffe von "Piraten" in Foren und auf Twitter beschwert. Doch dies können keine echten Piraten gewesen sein. Vermutlich waren es verirrte Linke, die sich vermutlich bald wieder enttäuscht von uns abwenden werden.
„Piraten lieben die Freiheit“ hat Dirk Hillbrecht bei seiner Abschiedsrede als Bundesvorsitzender gesagt, und besser kann man das Wesen der Piraten kaum in einen Satz fassen. Wer die Freiheit liebt, weiss, dass dazu immer auch die Freiheit des Andersdenkenden gehört.
Oder, wie Voltaire es formulierte: ”Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug dafür kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern dürfen.”
Wenn die Piraten diese Prinzipien weiter hochhalten, wird es möglich sein, die starke, schlagkräftige Opposition zu bilden, die dieses Land braucht - und zum gegebenen Zeitpunkt in eine Regierung einzuziehen und dort eine progressive, pragmatische Politik zu betreiben, ohne sich wie die Linke dabei selbst zu zerfleischen.
Ergänzende Anmerkung des Autors:
Dass dieser Text nicht den IST-Zustand der Piratenpartei beschreibt, sondern einen leicht idealisierten SOLL-Zustand, dürfte jedem klar sein, der die Mailing-Listen und Foren der Piraten kennt. Ich traue den Piraten durchaus zu, diesen Zustand zu erreichen, wenn sich alle auf die gute Tradition der Netiquette besinnen.
Ob Dirk Kurbjuweit Beschreibung der Linken zutrifft, sei dahin gestellt, eines ist jedoch klar: die Piratenpartei wird nur dann eine Chance haben, wenn sich ihre Mitglieder nicht so verhalten, wie Kurbjuweit es der Linken zuschreibt, sondern ihre Meinungsverschiedenheiten auf zivilisierte Weise klären.
* Dirk Kurbjuweit: „Brüder, zur Hölle“. Der Spiegel, Heft Nr. 43 vom 19.10.2009, S. 27, online nur als kostenpflichtiges E-Paper erhältlich.





