Freitag, 29. Mai 2009

Die Weisheit der Krauts

Wenn es um direkte Demokratie und Volksentscheide geht, bekommt man oft zu hören: ist die "breite Masse" nicht viel zu dumm, um über politische Fragen zu entscheiden? Dieses Vorurteil wird sowohl von Politikern als auch von Intellektuellen gern gepflegt. Genau genommen ist die "Dummheit der Masse" jedoch kein Argument gegen Volksentscheide, sondern gegen die Demokratie an sich und für das Prinzip des "Weisen Führers"...

Ich muss zugeben, dass auch ich mich lange Zeit gefragt habe, ob es sinnvoll ist, dass die Stimme des Langzeitarbeitlosen mit IQ 75 bei Wahlen genauso viel zählt wie die des Professors für Politikwissenschaft. Aber tatsächlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass große Gruppen, die aus vielen unterschiedlichen Menschen bestehen, im Kollektiv wesentlich bessere Entscheidungen treffen als selbst die klügsten Experten! Diese verblüffende Erkenntnis beschreibt der amerikanische Journalist James Surowiecki in seinem Buch Die Weisheit der Vielen (im Original: The Wisdom of Crowds). An zahlreichen Beispielen, von der Reaktion der Börse auf das Challenger-Unglück 1986 bis vom Publikumsjoker bei Wer wird Millionär, belegt Surowiecki, dass "die Masse" keineswegs so dumm ist wie oft angenommen.

Surowiecki hat festgestellt: je mehr Menschen mit möglichst unterschiedlichem Hintergrund unabhängig voneinander über etwas entscheiden - wie das beim Volksentscheid der Fall ist - desto besser werden die Ergebnisse. Kleinere, homogene Gruppen wie Parteien oder Fraktionen, bei denen sich die Mitglieder gegenseitig in ihren Entscheidungen beeinflussen, neigen hingegen zu krassen Fehlentscheidungen. Ein "Herdentrieb" kann einsetzen, bei dem sich alle an einen Trend hängen und sich oft wider besseres Wissen dem Gruppendruck fügen. Das kann man in der aktuellen Wirtschaftskrise sehr gut bei unseren Politikern beobachten. Vor lauter Panik und Hyperaktivismus schmeißen sie mit Milliarden um sich, die ihnen nicht gehören, und produzieren dabei ökonomische und ökologische Absurditäten wie die "Abwrackprämie". Das böse Erwachen wird folgen! Ein solcher schädlicher "Herdentrieb" ist bei Volksentscheiden nicht möglich.

Die Weisheit der Vielen ist ein kluges Buch, das ich allen Kritikern der direkten Demokratie nur ans Herz legen kann! Sorgen wir also dafür, dass auch die Wisdom of Krauts endlich genutzt wird...

Sonntag, 24. Mai 2009

Auf die Erststimme kommt es an!

Das deutsche Wahlsystem ist ein wenig seltsam. Nur wenige Wähler verstehen es wirklich. Es findet zwar in jedem Wahlkreis die Direktwahl eines Kandidaten statt, so wie man es z.B. in Großbritannien und den USA kennt. Doch spielt diese Direktwahl tatsächlich kaum eine Rolle. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle Direktkandidaten über die Landeslisten der Parteien abgesichert. Über diese Landeslisten entscheidet die Zweitstimme nach dem Verhältniswahlrecht. Fast alle "Verlierer" der Wahlen, die beim Wähler durchgefallen sind, rücken über die Landeslisten dennoch in den Bundestag nach. Diese Regelung hat dazu geführt, dass die eigentliche Macht nicht mehr beim Wähler liegt, sondern bei denen, die die Landeslisten aufstellen - den Parteien.