Donnerstag, 9. Juli 2009

Vorstand im Härtetest

So schnell kann's gehen: keine vier Wochen bin ich Mitglied der Piratenpartei und schon werde ich in den Bundesvorstand gewählt. Die Kombination aus grauem Anzug ("kann seriös sein"), St. Pauli-T-Shirt ("ist einer von uns") plus frechem Mundwerk hat's wohl gebracht.

Aber ein bequemes Ehrenamt ist das nicht. Kaum gewählt, musste der neue Vorstand um den Veteranen Jens Seipenbusch gleich Krisen-PR betreiben. Ein Reporter von Spiegel Online sprach auf der Pressekonferenz eine alte Geschichte an, von der ich wie vermutlich die meisten Neupiraten nichts wusste. Es ging um missverständliche Äußerungen eines Mitglieds zum Holocaust und zum zweiten Weltkrieg, für die es schon einmal vom Vorstand verwarnt worden war. Ungeschickterweise wurde dieses Mitglied in ein Parteiamt gewählt, kein wichtiges zwar, dennoch wurde uns in Blogs vorgeworfen, wir würden uns nicht deutlich genug von rechtsextremen Gedanken distanzieren. Das Mitglied hatte zwar klargestellt, dass er weder den Holocaust leugne, noch den 2. Weltkrieg verharmlosen wollte, aber diese beiden Themen werden in Deutschland nicht ohne Grund als extrem heikel betrachtet.

So mussten wir gleich in unserer ersten Vorstands-Telefonkonferenz besprechen, wie man sowohl den Medien gegenüber als auch innerhalb der Partei am besten agieren sollte. Einer schnelle Pressemitteilung, in der wir klar stellten, dass die Piratenpartei nichts mit rechten Gedanken zu tun hat, folgte die Aufforderung an das kritisierte Mitglied, sich noch einmal und noch deutlicher als bisher von rechtsextremen Positionen zu distanzieren.

Erfreulich an dieser etwas anstrengenden Geschichte: das Image der "Spaßpartei" sind wir jetzt endgültig los. Man erwartet von uns klare Positionen zu ernsten Themen, und das ist gut so. Obwohl ich alle Vorstandsmitglieder erst am Wochenende beim Parteitag kennengelernt habe, hat die Zusammenarbeit erstaunlich gut funktioniert. Solche Klippen gemeinsam zu umschiffen schweißt zusammen. Insofern: Danke an den Kollegen vom "Sturmgeschütz der Demokratie" und allen, die auf den Zug aufgesprungen sind, für diesen kleinen Härtetest! Ich freue mich auf ein spannendes Jahr im Vorstand der Piratenpartei!

V.l.n.r. Thorsten Wirth (interner Kommunikator und Fundraiser), Jan Marten Simons (IT-Koordinator), Jens Seipenbusch (1. Vorsitzender), Nicole Hornung (Generalsekretär), Andreas Popp (2. Vorsitzender), Aaron Koenig (Medienpirat), Bernd Schlömer (Schatzmeister).